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Foto: Thomas Hilmes / der-betze-brennt.de

„Du musst immer offen bleiben für Innovationen“

Er kam, sah und siegte – das mag für Julius Caesar gegolten haben. Im Fußball allerdings läuft es doch ein wenig anders als auf römischen Schlachtfeldern, auch wenn Trainer oft und gerne mit Feldherrn verglichen werden. Boris Schommers kam im September 2019 zum FCK und brauchte sechs Wochen, um seine neue Mannschaft zu einem funktionierenden Ganzen zu formen. Seither hat er sich nicht nur durch 16 Punkte in sechs Spielen Anerkennung erworben, mit denen seine Team seinen Anhang in die Winterpause verabschiedete. Auch abseits des Fußballfeldes versteht er, sich zu profilieren, wie etwa seine Rede im Rahmen der Mitgliederversammlung im Dezember zeigte. Ansonsten ist bislang nur wenig über den 40-Jährigen bekannt. Unser ausführliches Interview soll helfen, diese Lücken zu schließen.

Herr Schommers, den spärlichen biografischen Daten zufolge, die man im Internet über Sie findet, begann Ihr Leben mit dem Fußball direkt im Trainerbereich: 2006, im Nachwuchsleistungszentrum des 1.FC Köln, damals waren Sie 27 Jahre alt. Waren Sie nie aktiver Fußballer?

Doch, ich habe im Junioren- und im Amateurbereich gekickt, im Bergischen Land, aber das ist nicht der Rede wert. Interessant wurde es erst, als ich nach Köln ging, um an der Deutschen Sporthochschule Sport, Ökonomie und Management zu studieren. Da entschloss ich mich, gleichzeitig alle Trainerlizenzen zu machen, um so breit wie möglich aufgestellt zu sein. Also fing ich 2006 im Kölner NLZ an. 2011 wurde ich Cheftrainer der U17 – und direkt Deutscher Meister. Im Jahr darauf Vize-Meister. Anschließend wurde ich U19-Trainer, dort lief es ebenfalls gut für mich. 2017 wollte ich den nächsten Schritt machen, aber die Vereinsführung wollte den Trainerposten der U21 anderweitig besetzen. Also habe ich mich neu orientiert.

Ihren Fußballlehrer haben Sie 2015 gemacht, im gleichen Jahrgang wie Marco Rose, Florian Kohfeldt, Torsten Frings, Rüdiger Rehm und Ihrem Vorgänger beim FCK, Sascha Hildmann. Der sagte mir mal, das sei vom Notendurchschnitt der beste Jahrgang ever, den die Hennes Weisweiler-Akademie bislang hervorgebracht hat…

Ist das so? Ich weiß noch, dass Florian Kohfeldt unser Jahrgangsbester war, ich selbst hatte einen Notendurchschnitt von 1,7… Für mich war das einfach der nächste logische Schritt. Gerade, weil ich keine 15 Jahre als Fußballprofi vorweisen kann, wollte ich mir alles von unten nach oben erarbeiten. Und die Fußballlehrerlizenz  war die letzte, die mir noch fehlte.

2017, mit 38 Jahren, hatten Sie bereits sechs Jahre als Cheftrainer im Juniorenbereich hinter sich. Dennoch war das erste, dass Sie in Kaiserslautern zu hören bekamen, dass Sie ja noch kaum Berufserfahrung haben. Ähnliches wurde auch Ihrem Kollege Julian Nagelsmann nachgesagt, als er mit 28 Jahren Cheftrainer bei der TSG Hoffenheim wurde. Dabei war auch er zuvor schon fünf Jahre Cheftrainer im Juniorenbereich. Mein Kollege Tobias Escher hat Nagelsmann mal porträtiert. Dabei stellt er die These auf, dass ein Trainerposten im Juniorenbereich viel mehr Möglichkeiten bietet zu reifen, als irgendwo Assistent im Seniorenbereich zu sein: Weil man mit Spielern arbeiten kann, die körperlich bereits nah am Profilevel, aber noch wesentlich formbarer und lernwilliger als gestandene Profis sind. So kann ein  Trainer viel mehr experimentieren und für sich selbst erkennen. Würden Sie das unterschreiben?

 Auf jeden Fall. Du hast in dieser Zeit sehr viel mehr Möglichkeiten, auf Spieler einzugehen und in ihre Ausbildung einzugreifen und dabei kannst auch selbst reifen. Hinzu kommt: Als NLZ-Trainer hast du ja im Grunde nur wenige Helfer zur Verfügung. Du musst dir vieles selbst erarbeiten, etwa, was Trainingslehre und -steuerung angeht, und lernst dabei entsprechend viel. Später, im Profibereich, erledigst du das alles ja in Teamarbeit.

Haben Sie aus dieser Zeit Erkenntnisse mitgenommen, die Ihre Sicht auf den Fußball bis heute prägen?

Ja, zum Beispiel, dass sich jeder Spieler, egal in welchem Alter, immer noch weiter verbessern kann, ja sogar muss. Es darf nie zu einem Stillstand kommen. Du musst immer offen sein für Innovationen, das gilt für Spieler wie für Trainer. Und: Maße dir niemals an, alles zu können, schaue immer auch über den Tellerrand. Von großen Kollegen kann man sich immer was abschauen.

Ist die Idee, wie Sie Fußball spielen lassen wollen, auch damals schon entstanden? Gab oder gibt es fußballerische Ideale, denen Sie nacheifern?

 

Also, ein ganz konkretes Vorbild habe ich nicht. Aber ich schaue natürlich auch anderen Fußball – und genau hin, was und wie andere Trainer so spielen lassen. Zurzeit reden alle ja über Jürgen Klopp. Natürlich ist es faszinierend, wie seine Mannschaft es schafft, in den nationalen und internationalen Wettbewerben quasi alle drei Tage ein Pressing aufzuziehen, das den Gegner in jeder Spielsituation unter Druck bringt. Bislang hieß es, das kann eine Mannschaft physisch doch gar nicht leisten, doch wieso kann es denn der FC Liverpool nun? Als Trainer einer eigenen Mannschaft haben für dich allerdings andere Fragen Priorität: Was kann ich in der augenblicklichen Situationen mit dem Kader erreichen, der mir zur Verfügung steht? Unter diesem Aspekt lässt sich eben nicht so Weiteres ein großes Vorbild kopieren.

2017 wechselten Sie als Co-Trainer von Michael Köllner zum Zweitligisten 1. FC Nürnberg. Im anschließenden Spieljahr, das mit dem Aufstieg in die Erste Bundesliga endete, fiel der FCN durch einen kultivierten Fußball auf, der für die Zweite Liga eher untypisch ist. Gegen geordnet stehende Gegner etwa wurde der Ball mit kurzen Pässen ins Angriffsdrittel getragen und nicht übers sogenannte Spiel auf den zweiten Ball. Beim FCK propagieren Sie nun eine ähnliche Spielweise. Sind Sie deswegen nach Nürnberg gegangen – weil Sie und Michael Köllner die gleiche Auffassung von Fußball hatten? 

 Michael Köllner sagte mir, dass er einen Assistenten wolle, der ihm nicht nur nach dem Munde redet, sondern der mit ihm konstruktiv über Fußball diskutieren kann und der auch eigene Ideen einbringt. Dass er mir diese Rolle zutraute, zeigte mir, wie sehr er meine bisherige Arbeit schätzte. Wir haben dann auch nicht alles immer gleich gesehen, aber auf einer Wellenlänge gefunkt und stets einen Konsens gefunden. Der Cheftrainer hat immer das letzte Wort. Und was den Anspruch angeht, den Ball auf dem spielerischen Weg nach vorne zu tragen: Der ergibt sich für mich schlicht und ergreifend aus Wahrscheinlichkeitsberechnungen. Wenn du jeden Ball nur auf einen Zielspieler knallst, der in der Regel gegen die zwei größten und robustesten Spieler des Gegners spielt, die Innenverteidiger nämlich, dann ist die Wahrscheinlichkeit relativ gering, dass du zum Torabschluss kommst. Wenn aber du das Spiel nach vorne aber übers mittlere Drittel spielerisch vorbereitetest, ist die Wahrscheinlichkeit höher, zu Torabschlüssen zu bekommen. Das lässt sich durch Analysen belegen.

In der anschließenden Bundesligasaison lief es beim FCN nicht so gut, Michael Köllner wurde entlassen, Sie übernahmen die Mannschaft am 21. Spieltag, als abgeschlagener Tabellenletzter. Ihre erste Gelegenheit, sich als Cheftrainer im Seniorenbereich zu profilieren, doch die Chance, Sie erfolgreich meistern zu können, war äußerst gering – das muss Ihnen klar gewesen sein. Wie motiviert man sich da selbst, wie die Mannschaft?

Zunächst einmal kam das alles sehr unerwartet, denn bis dato hatte die Vereinsführung stets betont, voll hinter dem Trainer zu stehen. Als ich gebeten wurde, die Mannschaft zu übernehmen, stand vier Tage später das Liga-Spiel gegen den aktuellen Tabellenführer an, Borussia Dortmund. Und wenn Sie dann raus ins Stadion gehen, das erste Mal als hauptverantwortlicher Trainer am Spielfeldrand stehen, vor 50.000 Zuschauern, dann haben Sie mit Ihrer persönlichen Motivation keine Probleme, das können Sie mir glauben. Wir haben dann gegen diese tolle Dortmunder Truppe 0:0 gespielt, und mir wurde bewusst, dass wenn wir das, was uns als Team noch fehlte, jetzt schneller hinbekommen, als wir es bis dato geschafft hatten, dann können wir  auch Qualität nach vorne entwickeln.

Wenn man sich die anschließenden Ergebnisse näher anschaut, dann stellt man fest: Es hat zwar nicht gereicht, aber es waren einige ganz knappen Geschichten darunter.

Und ob. Wir haben in diesem letzten Saisonabschnitt allein vier Elfmeter verschossen – wenn die alle drin gewesen wären, hätte es am Ende anders aussehen können. Beim direkten Abstiegskonkurrenten VfB Stuttgart haben wir am 28. Spieltag 1:0, geführt, dann den Ausgleich kassiert, in der Nachspielzeit jedoch nochmal zwei Großchancen liegen gelassen, wären wir mit einem Sieg nach Hause gefahren, wäre da nochmal was in Bewegung geraten. Gegen den FC Bayern haben wir am 31. Spieltag 1:1 gespielt, da hat Tim Leibold noch in der 92. Minute einen Strafstoß verschossen – es wäre das erste Mal seit 2007 gewesen, dass der  FCN die Bayern schlägt. Rechnerisch abgestiegen sind wir übrigens erst am 33. Spieltag. Wir haben also am Klassenverbleib zumindest noch geknabbert.

Im Sommer 2019 war zu lesen, Nürnberg hätte Sie im Prinzip gern behalten, Sie wären aber nur an einer Weiterbeschäftigung als Cheftrainer interessiert gewesen. Ganz schön selbstbewusst nach nur 13 Spielen als Chefcoach…

Ich glaube nicht, dass meine Position vermessen war. Mein Team und ich hatten in den dreieinhalb Monaten zuvor eine deutlich erkennbare eigene Handschrift entwickelt. Wir hatten gezeigt, dass wir eine verunsicherte Mannschaft wieder stabil bekommen können. Wir waren in keinem Spiel chancenlos, und das mit einem der günstigsten Kader der Liga. Unseren Anspruch, auf diesem Level weiterarbeiten zu wollen, konnten wir gut begründen. Die alte Führungsriege des FCN war ja auch nicht abgeneigt, weiter auf uns zu setzen. Dann aber wechselte der Vorstand. Der neue wollte einen neuen Trainer, hatte auch schon einen Favoriten, und ich sollte zurück ins zweite Glied. Doch mir war bewusst – und so kam es dann ja auch –, dass neue Trainer gerne auch einen Assistenten ihrer Wahl mitbringen, daher musste ich befürchten, vom zweiten Glied schnell ins dritte zu rücken. Und da wollte ich nicht mehr arbeiten.

Der Arbeitsmarkt für Cheftrainer ist jedoch seit einiger Zeit hart umkämpft. Da waren und sind einige Kollegen mit bekannteren Namen als Ihrem auf Jobsuche. Sie konnten doch kaum damit rechnen, so bald wieder eine Anstellung zu finden. Markus Gisdol etwa war fast zwei Jahre arbeitslos, ehe er unlängst wieder in Köln anheuerte. Im Moment werden Leute wie André Breitenreiter, Markus Weinzierl, Markus Anfang oder Heiko Herrlich überall dort, wo Stellen freiwerden, als erste gehandelt…

Und warum ist das so, dass viele bekannte Kollegen derzeit auf eine Anstellung warten? Weil viele Klubs in den vergangenen Jahren dazu übergangen sind, nach Trainerwechseln eben nicht nach den Kandidaten zu suchen, die die bekanntesten Namen haben, sondern eher schauen, wer im Nachwuchsbereich über einen längeren Zeitraum kontinuierlich erfolgreiche Arbeit geleistet hat. Julian Nagelsmann haben Sie ja bereits genannt, aber auch Florian Kohfeldt oder Domenico Tedesco sind aufgrund solcher Überlegungen früh Cheftrainer geworden. Was mich angeht: Ich war keinesfalls so vermessen zu glauben, dass die Bundesliga nur auf Boris Schommers wartet, aber ich wusste, dass es in der Branche Insider gibt, die die Arbeit möglicher Trainerkandidaten nicht nur nach dem beurteilen, was in den Medien so verbreitet wird. Ich hatte auch bereits Angebote, bevor Kaiserslautern auf mich zukam, auch eines aus der Zweiten Liga, aber da hat das Gesamtkonzept für mich nicht gepasst. Ich muss mich mit einer Aufgabe identifizieren können.

Und beim 1. FC Kaiserslautern können Sie das?

Ja, absolut. Der FCK ist nach wie vor ein geiler Verein, ein riesiger Klub mit Tradition. Okay, als Marin Bader und Boris Notzon an mich herantraten, war der FCK Tabellen-14. der Dritten Liga, im Umfeld herrschte viel Unruhe uns vieles hat nicht funktioniert. Aber die Verantwortlichen gaben mir das Gefühl, dass ich hier meine Ideen verwirklichen kann. Und ich kam zu der Überzeugung, dass ich, wenn ich die Situation rational analysiere und annehme, hier die Chance habe, den Klub sportlich wieder auf einen guten Weg zu bringen. Auf dem befinden wir uns mittlerweile ja auch.

Sportdirektor Boris Notzon kennen Sie ja noch aus Ihrer Zeit in Köln. Hat diese Verbindung bei Ihrer Verpflichtung eine Rolle gespielt?

Aus dieser Zeit resultiert auf beiden Seiten eine große Wertschätzung füreinander. Wir haben unsere Werdegänge in den vergangenen Jahren gegenseitig verfolgt und hatten auch immer mal Kontakt.

Ihre ersten sechs Wochen am Betzenberg waren nicht einfach für Sie. Die Ergebnisse stimmten noch nicht, der Druck wuchs weiter, so dass auch an Ihnen bereits Zweifel aufkamen. Dennoch haben Sie sich die Zeit genommen, alle Spieler erst einmal unter Wettkampfbedingungen zu testen, dabei auch Profis wiederentdeckt, die aufs Abstellgleis geraten waren. Wenn Sie bereits über Erfahrungen in der Dritten Liga verfügt hätten, wenn Sie einen Teil der Spieler bereits persönlich oder aus Analysen gekannt hätten, hätten Sie diese Findungsphase dann schneller abschließen können?

Das weiß ich nicht. Ich glaube aber nicht, dass ein sogenannter ligaerfahrener Trainer die Sache hier schneller in den Griff bekommen hätte. Wenn eine Mannschaft 80 Prozent ihrer Gegentreffer durch Eigentore, individuelle Fehler und Standardsituationen kassiert, dann hat das nichts mit der mangelnden Ligaerfahrung des Trainers zu tun. Und auch nichts damit, ob Sie in einer 4-4-2- oder 5-3-2-Formation spielen lassen. Da müssen Sie erst einmal an die Psyche der Spieler ran. Und auch dem ein oder anderen die Gelegenheit geben, sich unter einem neuen Trainer zu beweisen. Und alte Gerüste und Strukturen aufbrechen. Das braucht nun einmal eine gewisse Zeit.

Jetzt steht das Team auf dem Platz sehr stabil, hat vor allem gelernt, sich kompakt in Ballrichtung zu verschieben. Ordentliches Pressing, auch Gegenpressing, war auch unter ihren Vorgängern immer mal zu erkennen, aber nur über kurze Phasen, dann ging der Faden wieder verloren. Unter ihnen wirkt das Team nun insgesamt konzentrierter, noch nicht immer über 90 Minuten, aber über wesentlich längere Zeiträume. Wie haben Sie das hinbekommen?

  Ich denke, das ergibt sich aus dem hohen Anspruch, den wir im Training stellen. Wir fordern jeden Tag, in jeder Spielform, von unseren Spielern hohe Aufmerksamkeit. Denn nur, was du Tag für Tag im Training umsetzt, wird dir auch am Wochenende im Spiel gelingen. Und wir coachen laut, sprechen die Spieler immer wieder persönlich an, um ihnen zu zeigen, was sie falsch machen.

Sie haben auf einer Pressekonferenz mal erzählt, dass Sie auch in Einzelgesprächen auf Videoanalysen setzen…

Ja, seit Kevin McKenna und ich hier arbeiten, ist unser Videoanalyst der ärmste Kerl am Betzenberg… Es hilft nun einmal nichts, wenn Du bei der Analyse in der Teambesprechung sagst, da hat die Viererkette was falsch gemacht – da fühlt sich keiner angesprochen. Wenn du aber dem Spieler, um den es geht, am Tablet zeigst, da hast du gestanden und da hättest du stehen müssen, nimmt er das ganz anders wahr und kann das viel besser für sich selbst reflektieren. Menschen denken nun einmal visuell.

Unter Ihnen hat sich ein Stilmittel kultiviert, das ich so intensiv noch nie beim FCK wahrgenommen habe: Die flache Flanke , die leicht diagonal in die Box gespielt wird. So habt Ihr zuletzt einige Tore gemacht, zuletzt in München auch zwei Großchancen vergeben. Haben die Spieler das entwickelt oder ist das Ihre Idee?

Als Trainer gilt es, die richtige Mischung zu finden: Was gibst du den Spielern an die Hand, wo müssen sie im Spiel selber die Lösung finden? Du kannst nicht alles vorgeben, was im Spiel passiert. Was Sie ansprechen, hat generell mit der Art zu tun, wie wir unser Umschaltspiel gestalten wollen. Schon vor der Balleroberung muss der Blick tief gehen, du musst wissen, wo der ballentfernteste Mitspieler steht, und dann musst du den Mut entwickeln, den Ball auch tief zu spielen… Auch das Spiel im Angriffsdrittel trainieren wir jede Woche sehr intensiv, da sind wir immer noch nicht so effektiv, wie ich es mir vorstelle. Sie haben die Torszenen in München in der ersten Hälfte angesprochen: Wenn wir da das 2:0 machen, kommt die junge Bayern-Mannschaft bestimmt nicht mehr zurück.

Ein nicht enden wollendes Thema beim FCK ist die Schwäche bei Standards. Mindestens ein Drittel seiner Treffer sollte ein Team über ruhende Bälle vorbereiten, manche schaffen längst über 40 Prozent. Der FCK ist davon seit Jahren weit entfernt. Dabei kommen die Flugbälle, die Florian Pick oder Hendrick Zuck in den Strafraum treten, eigentlich ganz gut. Mir ist aufgefallen: Von den 36 Treffern, die der FCK in der laufenden Runde bislang erzielt hat, waren nur zwei Kopfballtore, eines von Kevin Kraus, eines von Philipp Hercher. Ist die vielzitierte Standardschwäche nicht eigentlich eine generelle Kopfballschwäche? Fehlt Ihnen nicht vorne ein echter Rammbock?

Ich glaube nicht, dass wir zu wenige gute Kopfballspieler haben, denn beim Verteidigen von hoch getretenen Standards lassen wir mittlerweile nur noch wenig zu. Aber, ja, wir haben da noch Optimierungsbedarf, insofern haben Sie recht.

 Danke für das dennoch höchst informative Gespräch – und alles Gute für Spieljahr 2020!